Born in the 50s – ein guter Jahrgang

Den folgenden Text von Rolf Häßler habe ich im Netz, bei Facebook, gefunden. Ich finde den Text sehr treffend geschrieben und kann mich ihm nur anschliessen. Ich denke meine Generation – Born in the 50s – hat zwar auch einiges erlebt. Das meiste davon aber recht erfreulich. In jedem Fall aber kein Vergleich zu dem, was die in dem Text beschriebene Generation erlebt hat und durchmachen musste.

Ja, ein Perspektivwechsel kann Wunder bewirken. Dazu gehört nur etwas guter Wille und etwas weniger Wehleidigkeit. „Watt mutt, datt mut!“

Police – Born in the 50s

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Kriegsende und Neuanfang

Wie haben meine Eltern das Kriegsende erlebt oder überstanden? Wenn ich es mir recht überlege, dann hat diese Generation Zeiten und Katastrophen erlebt, von denen wir nicht die mindeste Ahnung haben. Wir können versuchen uns in diese Erlebnis- und Erfahrungswelt hineinzudenken, ohne Scheuklappen und dem Wissen der Jetztzeit, und wir können vielleicht nachvollziehen, warum der eine oder die andere in den Jahren so und so gehandelt hat oder geworden ist. Trotzdem sind es hilflose Erklärungsversuche.

Meine Mutter, Jahrgang 1929, kam im Herbst 1944 aus dem angeblich freiwilligen Landjahr aus Schlesien zurück und wollte eine Ausbildung zur Kindergärtnerin beginnen. Drei, vier Wochen Ausbildung und dann wurde die Schule geschlossen. Der Krieg kam näher. Am 26. April 1945 rückten die Engländer ein, nachdem sie vorher nochmal kräftig Bomben geworfen hatten. Eine diese Bomben landete als Volltreffer auf dem Haus meiner Großeltern in der Neustadt. Sie hatten, wie auch nach dem ersten Ausbomben 1942, wiedermal alles verloren. Meine Mutter hatte auch viele Freundinnen verloren, im Nachbarhaus, alles erstickt. Es musste weitergehen. Opa sammelte unter erschreckenden Lauten brauchbares Geschirr aus den rauchenden Trümmern. Unterschlupf fand die Familie in der Isarstrasse. Auch meine Mutter fand eine Lehrstelle als Schneiderin in der Wachmannstrasse. Das war nicht ihr Traumberuf, aber immerhin. Der Weg von der Neustadt in die Wachmannstrasse war ein täglicher Hindernislauf, da alle Brücken gesprengt waren und es nur eine Behelfsbrücke noch gab. Sie lernte schnell und viel, aber sie behielt lebenslang Magenschmerzen zurück, weil die Lehrherrin, Fräulein I., sich immer noch als „Herrin“ in ihren unzerstörten Haus verhielt.

Aber lebenslustig, wie Muttern mit 16 oder 17 nun mal war, fand sie schnell Gefallen an den neuen Möglichkeiten und Freiheiten. Mit ihrer Freundin Inge zusammen machten sie das, was junge Menschen nun mal überall auf der Welt tun. Sich amüsieren, tanzen und vielleicht auch nach Männern schauen. Mehrfach wurden sie „einkassiert“, weil sie sich nicht an Ausgangssperren hielten. Die „Zone“ bis rauf nach Bremerhaven stand ihnen offen. Ein beliebter Treffpunkt war „Kutscher Behrens“ in Falkenberg und viele Geschichten rankten um dieses Tanzlokal und die Fahrten dorthin mit „Jan Reiners“, der kleinen Bimmelbahn. Irgendwann hat sie dort meinen Vater kennengelernt.

Mein Vater Heinz Rudolf, Jahrgang 1926, durchlief praktisch alle Stationen, die für diese Jugend so typisch waren, insbesondere als Schüler eines Gymnasiums (Olbersschule mit Notabitur). Hitlerjugend („Wir hatten tolle Heimabende!“), Flakhelfer im Blockland, Arbeitsdienst in Lüneburg. Das war 1943 im Sommer und er wurde zu Aufräumarbeiten nach Hamburg abkommandiert. Was er dort als Folge der „Gomorrha-Operation“ gesehen hat, hat ihn nie wie der losgelassen. Darüber konnte er nie sprechen. Über alles andere ja. Ende 1943 musste er Soldat werden. Er hat sich standhaft geweigert in die SS zu müssen, was eigentlich, wie er sagte, ganz normal gewesen wäre. Er ging zur Infantrie. Zunächst nach Norwegen mit „Bewachungsaufgaben“ (u.a. die Fabrik für Schweres Wasser). Eine Rippenfell-Entzündung kurierte er in Esbjerg (Dänemark) aus, um dann nach Frankreich kommandiert zu werden. Dort traf er Ende Mai 1944 ein. Genau pünktlich, um die Landung der Alliierten und die schweren Kämpfe in der Normandy mitmachen zu müssen. Was er dort, insbesondere bei den Kämpfen um Caen miterlebt hat, würde heute ganz sicher viele Menschen „mental“ überfordern. Er hat mit mir ganz offen darüber gesprochen. Da fing er an von einem Häuschen auf dem Lande zu träumen. Gerade 18 geworden geriet er mitten hinein in die sog. „Operation Totalize“ der Engländer und Kanadier. Am 7. August an der Strasse Urville nach Breville wurde er schwer verwundet, nach dem er den Rückzug seiner Kameraden so lange wie möglich gedeckt hat. Seine Einheit ist noch raus und nach Hause gekommen. („Fallaise-Gap“)

Mein Vater hätte nicht überlebt, hätte nicht ein Kanadier, Kommandant einer Panzerspähwagens, ihn auf der Ladefläche des Panzern in ein Frontlazartett gefahren. „Give him a zigarette!“, hat er gesagt. Mein Vater hätte viel darum gegeben diesen Kanadier noch einmal zu treffen.

Kurze Zeit später wurde er auf einem einfachen Landungsboot über den Kanal transportiert. Er erzählte, wie er benommen mitbekommen habe, dass die Geistlichen an Bord streng nach Konfession ihren Segen verteilt hätten. Schwer verletzt, aber überlebt, kam er in ein Gefangenlager bei Liverpool. Namen wie Dr. Gucci und Schwester Sharky (verliebt?) spielen von da an eine Rolle. Die Wette mit Dr. Gucci, dass er außerhalb des Lagers einen Weihnachtsbaum würde besorgen können, hat mein Vater gewonnen. Dr. Gucci ließ ein Fass für das Lager springen. Besonders beeindruckt war er davon, dass er tatsächlich Englands künftiger Königin Elisabeth bei einem Besuch im Lazarett die (linke) Hand schütteln durfte. Sie sei sehr freundlich gewesen.

Im Februar 1945, mitten im Krieg, wurde mein Vater ausgetauscht. Mit der „Arundel Castle“ rund um Gibraltar über Marseilles durch die Schweiz und das immer noch intakte Schienennetz nach Bremen. In Marseilles wären die Gefangen beinahe erschlagen worden, hätten nicht schwarze GIs sie beschützt. Kaum in Bremen angekommen, wurde er zu einer „Fortbildung“ ins Josephstift kommandiert. Irgendein Bonze hielt einen Vortrag „Leere Wiegen, leere Kasernen“. Was für eine Idiotie in diesen Tagen. Wieder zu Hause, in der erfreulicherweise heilen Tözerstrasse, zeigt mein Opa ihm einen Gestelltungsbefehl nach Neumünster, und zerriss ihn dann. Du weißt von nichts.

Als besonders tragisch erwähnte mein Vater den letzten Tieffliegerangriff auf die Bunker in der Neukirchstrasse. Hunderte Menschen, Mütter mit Kindern seien dort bei der Milchausgabestelle getroffen worden. Dann fuhr auch schon ein englischer Panzer durch Findorff.

„Der Krieg war für mich aus, als ich den Union-Jack aus dem Toilettenhäuschen am Bürgerpark hängen sah. Da wusste ich: Es ist vorbei“, sagte mein Vater gern. Die Engländer seien immer fair gewesen.

Ein paar Tage nach Kriegsende wurde Bremen amerikanisch. Weil er auf der Polizeiwache in der Fürther Str. von mehreren GIs ohne Rücksicht auf seine Verletzungen hart zusammengeschlagen wurde („Du Nazi, Du Hitlerjugend!“), war er auf die Amis nie mehr richtig gut zu sprechen. Mein Vater fiel im übrigen unter die Jugendamnästie. Seinen eigentlichen Berufswunsch, nämlich Förster, durfte er nie ausüben. Das sagte man ihm aber erst bei der schriftlichen Prüfung in Hannover. Das Schreiben mit Links musste er sich erst jahrelang, mühsam wieder aneignen. Sein Vater, mein Opa, hat ihn dann bei der Finanzverwaltung Bremen untergebracht. Das war eine sichere Arbeit als Beamter, aber glücklich ist er da nie geworden.

Aber dann gab es ja auch noch „Kutscher Behrends“, hin und wieder kam ein Schulfreund aus dem Krieg zurück. Und es gab Margrit, meine Mutter.

Ich bin ein wenig stolz darauf, dass meine Eltern offen über alles mit mir, auch als ich jünger war, gesprochen haben. In meiner Familie gab es nicht die eisige Stille, wenn es um die Vergangenheit ging, wie es sie in vielen Familien gab. Es gab aber auch dieses „Warum habt Ihr nicht?“, bis ich begriffen habe, dass sie selbst ja noch Kinder auf dem Weg zum Jugendlichen waren. Junge Menschen, mit dem Willen zu leben, zu lernen, zu arbeiten und zu lieben.

Linksammlung: Kriegsende allgemein / Kriegsende Bremen

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Lilienthaler Tafel: Es geht wieder los

Die Lilienthaler Tafel nimmt wieder Fahrt auf. Heute fand ein erster Versuch statt die Tafel und ihr Angebot wieder zugänglich zu machen. Natürlich galt und gilt es weiterhin alle Regeln zu beachten: Mundschutz, Abstandhalten, pro Karte nur eine Person. Einlass nur mit einem der bereitgestellten Einkaufwagen. Die nächste Ausgabe soll am nächsten Dienstag, dem 5.5., erfolgen. Die Zeit wird noch bekanntgemacht.

Es fehlen Einkaufwagen. Die Wartezeit auf einen freien Einkaufwagen verlangsamt den Ablauf. Wenn also einer der hiesigen Discounter oder Supermärkte noch ein paar ausrangierte, aber gut erhaltene und fahrbare Einkaufswagen erübrigen kann, dann wäre den Organisatoren und natürlich den „Kunden“ sehr geholfen. Frau Urbrock, Leiterin der Tafel, freut sich unter der Tel. 04298 41618 auf Ihre Anrufe. Auch wer Zeit hat und mithelfen möchte, kann sich jederzeit bei ihr melden.

Die Lilienthaler Bürgerstiftung bietet eine Hausaufgabenhilfe via Skype an. Kinder und Jugendliche sind zur Zeit auf „Fernunterricht“ angewiesen und damit auch auf die technischen Hilfsmittel wie z.B. Computer, Notebooks oder Tablets. Oftmals stehen diese Geräte irgendwo herum und verstauben, während sie bei der Bürgerstiftung Gutes und Sinnvolles bewirken könnten. Wer also ausrangierte, ältere, aber lauffähige Computer, Notebooks, Tablets etc. spenden kann und möchte, sollte sich bei der Lilienthaler Bürgerstiftung unter tel. 04298 467701 oder per Email info@buergerstiftung-lilenthal.de melden.

Links:

Lilienthaler Tafel

Lilienthaler Bürgerstiftung

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Worpsweder Appell

 

Aus der Künstlerkolonie Worpswede geht ein Ruf an die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern. Wenn wir nicht wachsam sind, stirbt unsere Kultur in der Corona-Krise.

  • Eine Welt ohne Theater und Kunst.
  • Niemand singt, keiner spielt.
  • Kein Plakat weist auf eine Ausstellung hin.
  • Der Konzertbesuch: Abgesagt.

Der aktuelle Ausnahmezustand unter Corona-Bedingungen droht, zum Dauerzustand zu werden. Denn ein großer Teil aller Freiberufler und Soloselbständigen in Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft wird den Lockdown wirtschaftlich nicht überleben.

Das Corona-Virus trifft alle. Den Künstlerinnen und Künstlern, den Kreativen und Soloselbständigen nimmt es die Luft zum Atmen. Denn mit der sinnvollen Entscheidung, bis mindestens Ende August Großveranstaltungen zu untersagen, ist vielen von ihnen die Existenzgrundlage genommen. Kaum jemand ist fest angestellt und monatelang ohne Einnahmen überleben kann niemand.

Von heute auf morgen werden Verträge gekündigt, finden Konzerte und Ausstellungen nicht mehr statt. Kein Publikum, keine Gagen, kein Verdienst. Und auch für Grafiker, Gestalter, Bühnenbildner und Restauratoren: Von Hundert auf nahe Null in einem Moment.

Das einzige Kapital von Sängerinnen und Sängern, Schauspielerinnen und Schauspielern, Dirigenten und Musikerinnen, Malern und Grafikern ist ihre Kreativität. Die Gabe, Menschen, zu verzaubern und die Gabe, etwas von sich zu geben. Egal ob auf der Bühne, im Club oder im Atelier. Die unzähligen virtuellen Ausstellungen, Online-Lesungen und Livestreams der vergangenen Wochen haben das bewiesen. Zumeist aus eigenem Antrieb und in der Regel ohne Gage. Der Schock über ein weiteres Vierteljahr Lockdown für die Kultur sitzt nun tief.

Das kann man für einige Tage überleben, vielleicht sogar für ein paar wenige Wochen. Doch bereits jetzt sind die Ersparnisse vielfach aufgezehrt. Wohnungsmieten müssen gezahlt werden, die meisten laufenden Kosten lassen sich nicht stunden. Selbst wer keine Gewerberäumlichkeiten mietet, keinen Firmenwagen fährt und sparsam lebt, kommt jetzt an seine Grenzen.

Finanzielle Reserven konnten nur wenige anlegen. Was im Normalfalle hereinkommt, reicht vielleicht zum Überleben, selten zum Leben. Rentenbeiträge und Sozialversicherung, Umsatz- und Einkommenssteuer wollen gezahlt werden. Und werden gezahlt – als solidarischer Beitrag für die gesamte Gesellschaft.

Doch wie nun weiter – im Angesicht des monatelangen Lockdowns?

Die Soforthilfeprogramme von Bund und Ländern sehen bis auf wenige Ausnahmen keine Finanzierung von Lebenshaltungskosten und keine Kompensation von Verdienstausfällen vor.

Nur wer laufende Betriebskosten hat, kann Anträge stellen. Was aber unterscheidet Soloselbständige von Selbständigen? Und warum steigt der Staat in das unternehmerische Risiko von Konzernen ein, hilft beim Kurzarbeitergeld, lässt aber diejenigen im Regen stehen, die oft gezwungenermaßen selbständig sind?

Was bleibt also?

Grundsicherung beantragen? Entwürdigend – auch ohne Bedürftigkeitsprüfung. Almosenempfang statt staatlicher Solidarität. Erst einmal die eigenen Ersparnisse komplett verbrauchen? Das Auto verkaufen? So kann niemand überleben und so darf die Gesellschaft mit den Kreativen nicht umgehen! Ohne eine schnelle und unbürokratische Hilfe etwa zur Unterstützung beim Lebensunterhalt wird keiner von ihnen bis zum August durchhalten. Daher fordern wir Solidarität für diejenigen, die für den „Kitt der Gesellschaft“ sorgen.

Die uns lachen und weinen lassen. Die uns die Augen öffnen für das Schöne und das Schreckliche. Und für das Menschliche. Und die jetzt oft gefragt werden, online und ganz umsonst ihre Kunst zu präsentieren. Nehmen Sie Künstlerinnen und Künstler, Kreative und Soloselbständige als wichtigen Bestandteil unserer freien Gesellschaft und auch als Wirtschaftsfaktor wahr. Geben Sie ihnen solidarisch das zurück, was sie in die Gesellschaft eingebracht haben!

Realisieren Sie kurzfristig ein unbürokratisches Hilfsprogramm zum Überleben, das Über-Lebenshaltungskosten absichert und den Sturz in die Sozialsysteme verhindert.

Denn Kunst und Kultur sind systemrelevant.

Worpswede, den 20.4.2020

Initiator: Björn Herrmann

Diverse Unterzeichner

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Tafeln werden gebraucht

Diese Information kommt irgendwo „aus den unendlichen Weiten des Internets“, will sagen: man kann es nicht überprüfen. Aber nach eigener Beobachtung ist das wohl so.Es versteht sich von selbst, dass die Tafeln zunächst ihre Mitarbeitenden schützen und nicht einem unkalkulierbaren Risiko aussetzen dürfen. Schliesslich sind alle Mitarbeitenden ehrenamtliche Helfer, die ihre Zeit zwar gern opfern, aber nicht auch noch ihre Gesundheit.

Aber, und das ist unverständlich, die Tafeln sind ein fest etablierter Teil des sozialen Hilfesystems und Sozialhilfestellen in den Rathäusern und Ämtern verweisen Hilfeempfänger gern an die Tafeln. Die Lebensmittel der Tafeln sind de facto fest eingepreist in die Hilfen zum Lebensunterhalt und in besonderen Lebenslagen. Es wäre also an der Zeit, wenn die Träger der sozialen Hilfen sich nicht nur mit Minibeträgen an den Leistungen der Tafeln beteiligen würden. Gerade in den Zeiten des kompletten Corona-Closedowns sind Menschen auf die Tafeln angewiesen, genau wie andere Menschen auf offene Supermärkte und Discounter angewiesen sind. Bei den „Kunden“ der Tafeln geht es nicht um Einkaufwagen voller Klopapier, sondern tatsächlich um die Existenz. Ich tue mich sehr schwer damit Menschen, die auf die Hilfen der Tafeln angewiesen sind, als „Kunden“ zu bezeichnen. Denn: Kunden haben die Wahl. Die Kommunen täten Gut daran dafür zu sorgen, dass die Tafeln ohne finanzielle Sorgen schnell wieder öffnen und die Spendentätigkeit aufrecht erhalten können.

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Pflege: Was kommt nach der aktuellen Aufmerksamkeit?

Das, was in der Pflege, in den Heimen, Einrichtungen und Diensten, jetzt passiert, war lange vorhersehbar. Die Pflege, insbesondere die Pflegekräfte, waren vorher bereits am Limit und auch weit darüber hinaus. 

Mit der Einführung der Pflegeversicherung ist die Pflege zu einem Spekulationsobjekt für das Kapital geworden. Das war, wenn man allein die Terminologie des Gesetzes verfolgt, auch so gewollt. Man hat bewusst in Kauf genommen, dass der Mensch in den Hintergrund rückt und der Profit das Sagen hat. Um Profit zu erzielen gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Gute Arbeit leisten oder 2. an den Menschen sparen, am Lohn und Gehalt. Die Investitionen müssen sich lohnen bzw. sich schnell refinanzieren. Also wird der Lohn gedrückt. Nichts anderes spielt sich seit längerer Zeit auch in anderen Wirtschaftsbereichen ab, siehe Paketdienst, Speditionen, Dienstleistungen allgemein. Das geht schnell und nahezu geräuschlos beim Personal, weil es keine Lobby gibt. Und das geht bei den Objekten der Pflege, den sog. „Kunden“, weil auch sie keine wirkliche Vertretung haben – ausser vielleicht den Angehörigen.

Der alte Gewerkschaftsgedanke „Nur gemeinsam sind wir stark“ muss endlich auch in diesem sensiblen Bereich des gesellschaftlichen Miteinanders Fuss fassen. Da muss die Pflege einmal durch, auch wenn es wieder Bedenkenträger gibt nach dem Motto „Aber wir sind doch für die Menschen da“. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt. Die Geschichte zeigt, dass Fortschritte oder Verbesserungen kaum durch Diskussionen erreicht wurden. Das Wort „Gewerkschaftskampf“ hat seine Bedeutung noch lange nicht verloren, denn verschenkt wird nichts.

Das derzeitige Schulterklopfen der breiten Öffentlichkeit und die vielen Lobesgesänge bringen den Pflegerinnen und Pflegern gar nichts, denn sie werden schnell vergessen sein. Echte Wertschätzung drückt sich nun mal in Geld aus und da wäre es nur richtig ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger wie z.B. Lehrer ordentlich zu bezahlen. Und auch für Pflegehelferinnen und -helfer muss der Lohn weit über dem Mindestlohn liegen, den gerade sie tragen die Hauptlast. Daß wir in diesem Zusammenhang überhaupt vom „Mindestlohn“ sprechen ist eine Frechheit.

Was wäre, wenn alle, die jetzt an der Gesundheitsfront für uns kämpfen, mal eine Woche zu Hause blieben. Einfach so, ohne Rücksicht auf Opfer. Deutschland würde zusammenbrechen!

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Bußgelder für Soziale Kontakte?

Das Niedersächsische Gesundheitsministerium hat zur Beschränkung sozialer Kontakte und zur Eindämmung der Corona-Pandemie vom 7. April einen Bußgeldkatalog vorgelegt.

Verstöße gegen die Verordnung sollen von den niedersächsischen Ordnungsbehörden konsequent, aber mit dem nötigen Augenmaß geahndet werden. So muss niemand ein Bußgeld fürchten, wenn es etwa eine Situation im Alltag vorübergehend nicht erlaubt, den vorgeschriebenen Mindestabstand einzuhalten. Bei wiederholten und schweren Verstößen sind jedoch empfindliche Bußgelder möglich.

Nds. Verordnung als PDF

Häufig gestellte Fragen

Kommentar: Da kann man nur hoffen, daß die Beschränkungen möglichst bald, aber mit Augenmaß, aufgehoben werden. Zumindest sollte man einige Punkte gründlich überdenken, wie z.B. Sport im Freien, Verzehr von Speisen und Getränken innerhalb von 50 Metern, Besuch von Restaurationsbetrieben (Außer-Haus-Verkauf). Da steht zu befürchten, dass sich die Zahl derer, die sich großzügig über diese Vorschriften hinwegsetzen, rasant an Fahrt aufnimmt. Es geht vielfach um die nackte Existenz.

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