Qualen der Bundestagswahl

Als halbwegs normaler Bundesbürger ist man einigermaßen zufrieden, wenn man alle vier Jahre um seine Meinung gefragt wird. Das Wahlrecht ist ein hohes Gut in dieser Republik. Manchmal frage ich mich allerdings, ob tatsächlich jeder dieses Wahlrecht haben muss. Möglicherweise wäre es besser für alle, wenn man das Recht nicht vom Lebensalter abhängig machen würde, sondern vom IQ. Das könnte nebenbei auch für den Führerschein gelten.

Bei den nunmehr anstehenden Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen muss man sich allerdings auch fragen: Was steht denn zur Wahl? Nun, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, obwohl ich eigentlich ein politisch interessierter und auch informierter Mensch bin. Seit dem die öffentlich-rechtlichen Talkshows von Illner, Maischberger, Plasberg usw. immer dieselben Köpfe und Themen bieten, muss ich mir als halbwegs flexibler Bundesbürger andere Informationswege suchen. Das Internet sehe ich, bis auf zwei, drei ins Web gewanderte Printmedien, nicht als Informationsalternative an und Facebook oder Telegram schon gleich gar nicht.

Soll ich mir etwa aus den Wahlkampfbroschüren der Parteien eine Meinung bilden? Nein! Dann doch wohl eher mit dem angeblich gesunden Menschenverstand und wenig Geschichtswissen. Zur Wahl steht also die Konservative Ecke, in die sowohl CDU/CSU als auch die Grünen gehören. In der anderen Ecke des Boxrings stehen die Roten oder die Sozis, also SPD und Linke. Irgendwo in der Mitte tänzeln die Liberalen, wie immer mal so und mal so, und von außen brüllt mitunter die Alternative und scheucht die Ecken auf. Also, was nun? Es wäre vielleicht einfacher, wenn man die Spitzenkandidaten der diversen Parteien kennen würde. Aber da drohen ein Karnevalsprinz aus NRW und ein dröger Ex-Bürgermeister aus Hamburg. Im Hintergrund lauern ein Ex-Umweltminister und ein Bierdeckelexperte aus der Finanzwelt. Der Landesherr von Bayern hat sich noch nicht vernehmen lassen, obwohl er überall präsent ist und gar nicht mehr so provinziell wirkt.

Die Fragen, die ich mir bisher gestellt habe, – Klima, Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Migration und Bundeswehr – kann ich wohl auf Jahre hinaus vergessen, denn die Folgekosten dieser Pandemie werden zur Zeit noch schön geredet, sie werden uns aber in den nächsten mächtig an die Wand drücken. Generationen werden daran zu tragen haben.

Genau das aber sehe ich mit Sorge. Die Regierung hat keine Antworten, es sei denn das altbekannte „Wir schaffen das“ gibt der Gesellschaft nochmal neuen Auftrieb. Der Regierung, und mit ihr der Gesellschaft, fehlt Expertise, Kenntnis und Wissen. Es ist ein Armutszeugnis, wenn für jede „Kleinigkeit“ Beratung bei einer Konsultingfirma für teures Geld eingekauft wird oder ein Gutachter her muss. Eine ehem. Verteidigungsministerin, die jetzt einen Top-Job in der EU bekommen hat, steht exemplarisch für diese ignorante Geldverschwendung und, nebenbei, die Hubschrauber fliegen immer noch nicht. Haben wir tatsächlich nur die Gutenbergs, Scheuers und v.d.Leyens?

Gut, mit der Corona-Pandemie konnte niemand rechnen, niemand konnte sich darauf vorbereiten. Das Durcheinander bei den Pandemie-Maßnahmen ist wohl eher dem Föderalismus geschuldet, trotzdem sollte es endlich überall möglich sein einheitliche Regelungen auch umzusetzen. Braucht es da die starke Führung aus Bayern oder einen Karnevalsprinzen?

Der langen Rede kurzer Sinn: ich stehe immer noch ratlos da. Ich möchte mein Bürgerrecht wahrnehmen, aber wen soll ich wählen? Na gut, über die Lösung dieser Frage kann ich erfreulicherweise und corona-bedingt in meinem stillen Kämmerlein noch einige Monate nachdenken. Das sollten auch Sie tun!


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