„Geruchsverschiebung“?

Es ist eine Sache, die mich sehr beschäftigt. Sie hat konkrete Auswirkungen auf mein Leben im Alltag. Ich muss dazu etwas ausholen:

Seit etwa Mitte März d.J. hat uns die Corona-Pandemie voll erwischt. Der Lockdown des Alltags und häusliche Quarantäne für viele Menschen greifen seit dem. Auch ich habe meine Kontakte zur Aussenwelt in den ersten Wochen auf das Notwendige reduziert. In diesen ersten Wochen hatte ich Anzeichen einer Covid-19-Infektion, Husten, Halskratzen, Gliederschmerzen und ein paar Stunden erhöhte Temperatur. Am nächsten Tag war das vorbei und ich war – und bin – mir sicher, dass mich Corona zumindest gestreift hat. Ich denke von Immunität kann keine Rede sein. Zurück blieben aber von all dem: Geschmacks- und Geruchsverlust. Der Geschmacksverlust hat sich nach zwei Monaten langsam gegeben und die Bratwurst schmeckt wieder nach Bratwurst, wenn auch weniger intensiv im Vergleich zu vorher. Der Geruchsverlust bzw. die Fähigkeit Gerüche zu erkennen, zuzuordnen und auseinanderzuhalten, ist immer noch nicht wieder voll da. Zeitweise riecht alles, aber auch wirklich alles nach Autoabgasen, obwohl ich im Wald bin und um mich herum nur frische Waldluft ist. Vollends nervend wird es dann, wenn „Kuhkacke“ nach Erdbeeren riecht, Kaffee nach Bohnerwachs, Rasierwasser wie Sagrotan und Rosenkohl oder Spargel nach Zartbitter-Schokolade.

Geschmacksverlust könnte man noch ertragen, weil man ja weiss wie etwas schmecken müsste. Da übernimmt die Erinnerung die Regie und man kann damit leben, trotz der Einschränkungen der damit verbundenen Lebensqualität. Aber bei Gerüchen funktioniert das nicht.

Zum Glück macht der Geruchsverlustt auch mal Pause. Dann kann ich riechen, aber weitaus weniger intensiv. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Sache wieder kippt und ich nur Autoabgase um mich herum rieche. Ich weiss nicht, ob das ein verbreitetes Symptom ist oder ob es einen Fachbegriff dafür gibt. Ich nenne es einfach mal „Geruchsverschiebung“. Ich bin auch kein Zauberkünstler, der machen kann, dass Luft stinkt, aber auf die Dauer ist das sehr nervig, wenn gute Seife nach altem Frittenfett oder Altöl nach Brombeerkonfitüre riecht. Ich denke so ganz ungefährlich ist das auch nicht. Irgendwo austretendes Gas würde für mich vielleicht nach einem teuren Parfüm riechen.

Wenn es noch mehr Menschen gibt, die von dieser hartnäckigen „Geruchsverschiebung“ betroffen sind, dann sollten wir uns vielleicht mal vernetzen.

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