Vom Freund und Helfer weit entfernt

Für Freitag ist in der US-Hauptstadt Washington ein großer Marsch gegen Polizeigewalt gegen Schwarze geplant. Er findet am Jahrestag der berühmten Rede „I Have a Dream“ („Ich habe einen Traum“) des schwarzen Bürgerrechtlers Dr. Martin Luther King statt. King hielt die Rede am 28. August 1963. – 250.000 Menschen begleiteten an diesem Tag die Demonstration gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA.

Nur drei Monate nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis ist es zu einem erneuten Fall von Polizeigewalt in Kenosha, der viertgrößten Stadt in Wisconsin, gekommen. Der Fall Jacob Blake erschüttert die USA, auch für die Nacht auf Mittwoch sind wieder Ausschreitungen zu befürchten. Die Mutter des in den USA durch Polizeischüsse in den Rücken schwer verletzten Afroamerikaners hat nun zu friedlichen Protesten aufgerufen. Sie habe in Kenosha „viele Schäden“ gesehen, sagte Julia Jackson am Dienstag. Offenbar wollte Blake einen Streit zwischen zwei Frauen schlichten, als die Polizei eintraf und sieben Schüsse auf den in sein Auto einsteigenden Familienvater abgab. Vier davon trafen den Mann. Nach Angaben seiner Anwälte durchschlugen Kugeln Blakes Wirbelsäule, seinen Magen, seine Leber und einen Arm. „Die jetzige medizinische Diagnose ist, dass er gelähmt ist“, sagte der Menschenrechtsanwalt Ben Crump.

Amerika hat generell ein Problem mit Gewalt, mit der „normalen“ Gewalt im Alltag, mit der rassistisch bedingten Gewalt gegenüber dem afro-amerikanischen Bevölkerungsanteil und mit der ausufernden Gewalt der Polizei. Anders als in vielen US-Serien suggeriert wird, verstehen sich die Cops nicht unbedingt als „Dein Freund und Helfer“. Ich denke folgende Zahlen sagen einiges aus: ein deutscher Polizist verschießt im Dienst während seiner gesamten Laufbahn ca. 80 Kugeln aus der Dienstpistole. Ein US-Cop verschießt schonmal 80 Patronen während eines einzigen Einsatzes.

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